Dek 21 - Deklaration für einen Kurswechsel in der Medienlandschaft - 21 Thesen für eine schärfere Kommunikation

54 Kommentare für “Die Thesen”


    Glückwunsch. Hübsch hier. Sicher auch alles gut gemeint…


    Stellung beziehen, zum Nachdenken anregen und wie war das noch mit dem Schiffbau und der Lehre von der Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer? Like it!


    Liebe Manifest-Schreiber. Erstmal: das ist ein schöner Schritt. Jedoch springt er aus meiner Sicht viel zu kurz. Weil er das Problem nicht im Kern angeht, sondern lediglich an der kommunikativen Oberfläche. Das Grundproblem ist doch: Eine Position bezieht sich AUF etwas, eine Meinung gehört ZU etwas. Des Pudels Kern liegt für viele Unternehmen gerade hier: sie sind im Kern austauschbar, ihre Produkte gleichen sich, sie agieren in einem reinen Verdrängungsmarkt. Position beziehen zu was? Ich denke, dass es wichtig sein wird, im Kern einiges in Ordnung zu bringen, daraus werden sich Positionen von alleine ergeben. Provokative oder geschärfte Aussagen an der Oberfläche sind ja nett, aber das Erwachen wird umso böser, wenn sich dahinter dann nicht wirklich etwas verbirgt. Nur mal so als Weiterdenkansatz. Ansonsten: schöne Initiative.


    super! PR braucht Mut, Rückgrat & Menschlichkeit


    Zu viel Häme ist über die Unternehmen geschwappt. Managergehälter, Steueraffären, Bankenkrise. Es geht darum, dass man jetzt mal wieder in die Offensive geht und aktiv anpackt, die Gesellschaft mitgestaltet auch über den eigenen Job des Unternehmens hinaus. Und dabei nicht allen gefallen will. So wie damals die Intitaive “Du bist Deutschland” die es doch irgendwie geschafft hat, das nationale Sebstbewußtsein weiter zu entwickeln, nicht nur an der Oberfläche. Das haben die Verlage gemacht. Was macht die Automobilindustrie? Was machen die anderen Daxe? In den meisten Branchen stehen grundlegende inhaltliche Veränderungen an: Vom Benzin zum Strom, von Giga zu Petabyte, von lokal zu global. Auf gehts Offensive.


    @Bernhard Fischer-Appelt:

    Ihr wollt aber jetzt nicht erzählen, dass es hier um eine Aktion à la “Du bist Deutschland” geht. “Du bist ein Provokateur”? Bitte nicht.


    @Bernhard Fischer-Appelt: “Zu viel Häme ist über die Unternehmen geschwappt.”
    Ist es dann nicht eher unpassend, wenn man zusätzlich die Kommunikation (ver)schärft. Da damit eine kommunikative Eskaltionsspirale in Gang kommt?

    Glätten und gemeinsame Position finden, um den (kommunikativen) Schulterschluss zu suchen, ist doch eine nachhaltigere und verantwortungsvollere Unternehmensstrategie. Oder meinen Sie nicht?

    PS: Wann hat Orwell sich überhaupt gegen das Internet oder gegen das selbstbestimmte Verbreiten von Informationen ausgesprochen?


    @Björn Eichstädt / Storymaker: Gerade wenn Produkte und Dienstleistungen austauschbar sind, ist eine eindeutige Meinung unverzichtbar. Denn Konsumenten oder Auftraggeber brauchen einen Grund, sich gerade für ein bestimmtes Produkt zu entscheiden. Und dieser Grund kann eine Meinung sein; nicht zwingend eine Meinung zum Produkt, sondern auch eine Meinung zu Entwicklungen oder Trends in der Branche oder der Gesellschaft.


    Warum muß sowas immer so trivial werden?


    Liebe Blogger, Kommentatoren, vor allem offline aber auch hier online erreicht mich Kritik, wir dek21-Autoren würden nur Fragen stellen. Aber keine Antworten geben. Gewiss: Fragen stellen ist einfach, etwas in Frage stellen ist noch einfacher. Aber so simpel sind wir, die dek21-Autoren, nicht gestrickt. Es ist ja gerade die (Un-)Kultur des Unbeantwortet-Lassens, die wir anprangern. Und der wir Paroli bieten wollen. Und zwar mit Vernetzung. Das also die Kommentatoren und Mit-Blogger en passant Antworten geben. Und konkret durchaus mit unseren Thesen. Nummer 3(prägnante Profilierung) ist eine Antwort, genauso wie These 9 (Evangelisten), 10 (Kommunikationsprokura), 12 (Originalquellen), 15 (öffentliche Allianzen), 18 (Präsenz) und 21 (schärfen statt glätten!). Viel spannender finde ich es, zu lesen, wem die Antworten nicht passen!


    @Ralf Schlosser:

    “kommunikative Eskalationsspirale” – sehr schöne Formulierung! Diese Spirale dreht sich doch erst richtig, wenn sie auf eine weichgespülte Oberfläche trifft?!


    @Ralf Schlosser, es geht darum den Standpunkt zu schärfen nicht das Thema zu jazzen. Es geht um eine klare, konsequente Haltung. Es geht nicht darum, Öl ins Feuer zu gießen. Es geht darum Pfeffer in die Suppe zu tun. Es geht ganz generell darum, dass wir zu beliebig und zu gefallend geworden sind. Ich finde es z.B. besser, Westerwelle stößt eine Diksussion an über Hartz IV als sie findet nicht statt. Hartz IV muß weiter entwickelt werden, weil es ein Erfolgsmodell ist, mehr als 1 Mio Arbeitslose weniger seit Einführung. Hartz IV hat aber ein unmenschliches Gesicht, ist eine unnötige Demütigung. Das sieht man, wenn man sich den Antrag mal anschaut. Schärfen statt glätten heißt: Klarer machen, worum es dabei geht und nicht die Betroffenen zu demütigen. Harte Überzeugungsarbeit. Gute Kommunikation. Der Inhalt selbst ist bei der Hartz IV nicht das Problem gewesen. Es ist fürchterlich vermittelt worden.


    Eine Sache ist vergleichbar: Bei Du bist Deutschland (übrigens die größe Social Media Diskussion seither) ging es darum, mal was für das nationale Selbstbewußtsein zu tun. Es ging also auch um eine Haltung. Heute geht es um die Haltung der Leute, die professionell kommunizieren. Haltung ist ein interessantes Thema. Haltung ist heute aber nicht Gegenstand einer Kampagne, sondern es soll eine Anregung sein, den eigenen Standpunkt zu schärfen.


    Selbstlob: finde die Visualität der Seite ziemlich gelungen. Wer ist anderer Meinung?


    Ich finde es ganz hervorragend, dass der Journalismus angesichts des Käßmann Rücktritts und der Müntefering Durchleuchtung selbstkritisch diskutiert wird. Rauskommen muß ein besserer, klarerer, schäferer, qualitativer und meinungsstarker, investigativer Journalismus.
    Und ebenso wichtig finde ich, dass die Kommunikatoren und die “Quellen” mal klären, ob sie der Meinung sind, dass wegduken und weichwoppern mehr hilft als Standpunkt klären und Chuzpe zeigen. Ich finde das weder trivial noch oberflächlich.


    Nun, vor dem Hintergrund der stetig schwindenden Bedeutung und Reichweite “klassischer” “Qaulitätsmedien”, dem Versagen der großen Publikums- und der führenden Fachverlage in der erfolgreichen Platzierung neuer Geschäftsmodelle und dem unumkehrbaren Erfolg vernetzter “social media”-Konzepte ist es an der Zeit, dass sich die Enabler großer Plattformen und die professionellen Nutzer Gedanken über ein tragfähiges, transparentes und faires Regelwerk zur Nutzung moderner Kommunikationstools und Sicherstellung der Meinungsvielfalt machen.

    Trivial ist diese selbstgewählte, aber auch durch Versagen und Verzicht etablierter Player zugefallene Herausforderung an “die Wirtschaft” nicht. Wobei man keinesfalls vergessen darf, dass auch die Meinungsfreiheit “garantierenden” Verlagsunternehmen nix anderes als Wirtschaftsunternehmen sind…

    Große Medienmacht wird nicht gebrochen, relativiert – oder reaktiviert werden durch viele Medienmacher. User generated content wird nicht DIE Lösung sein.

    Große Chancen sehe ich im Bereich professioneller Kommunikationstools im gesamten Baukasten des Corporate Publishing – heute bereits sind einige “PR-Blättchen” bessere Medien als die ehemals etablierten.

    Spannende Zeiten und anregende Debatten hier auf DEK21 wünscht Euer TT


    @Tim:
    @Tim
    Trivial ist letztlich alles – mehr oder weniger, was nicht durch Grundlagen-Forschung ganz neu und zum ersten Mal erfunden wurde und wir demnach alle noch nie gehört haben. Hier geht es darum, Dinge mal beim Namen zu nennen und aus- und anzusprechen. Kommunikatoren und all diejenigen, die sich kommunikativ betätigen, wachzurütteln, schärfer zu kommunizieren statt mal hier mal da sprunghaft das eine und dort das andere zu proklamieren und zu glauben, das merke schon keiner. Die Haltung ist entscheidend, und – diese Haltung durchzuhalten. Dazu freuen wir uns hier auch über Hinweise zu nicht-trivialen ganz neuen Themen für die Kommunikation – gerne her damit.


    @Bernhard Fischer-Appelt:

    Da beißt sich die Katze in den Schwanz, oder besser: Journalismus hat per se den Anspruch bzw. die Aufgabe, klar, scharf, qualitativ, meinungsstark und investigativ zu sein. Alles andere ist kein Journalismus, sondern das Geschreibsel einiger Möchtegerns.

    Für mich gilt noch immer der Satz von Hanns-Joachim Friedrichs: „Einen guten Journalisten erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache“. Vielleicht in Zeiten von Blogs und Social Media etwas old fashioned – bei allem Technik- und Zeitgeistfortschritt ändert sich eines nie: Das grundlegende Handwerk.


    @ Andreas Vill

    Im Internet passiert den ganzen Tag nichts anderes, als daß Dinge beim Namen genannt werden. Sie fordern hier Dinge, die längst Realität sind. Vielleicht nicht in Deutschlands Chefetagen, aber überall sonst. Die Thesen 10 & 11 sind stark, auf viele andere hätte ich allerdings verzichtet.


    Liebes Team von Fischer Appelt,

    ich finde die Initiative grundsätzlich sehr begrüßenwert. “PR muss Positionen entwickeln – mit Kontroversen, Debatten und Meinungen”. Ja. Das unterschreibe ich zu 100%. Und ich stehe ebenso eindeutig dazu, dass nur derjenige bewegt, der sich klar positioniert und profiliert. Und diese Initiative hier ist ein guter Versuch, das zu tun. Und das ist sehr anerkennenswert.

    Ich würde gleichwohl anregen, wir gehen mit der Debatte einen Schritt weiter. Oder Alternativ: tiefer. Ich will die These aufstellen, dass das Problem nicht “die PR” ist. Oder die Kommunikationslandschaft. Das Problem sind die Menschen. Nicht die “PR-Menschen”, sondern alle Menschen. Unsere Kultur. Das Problem ist, dass wir in Deutschland dazu neigen, jede Initiative wegzubügeln, jeden Kopf, der rausgestreckt wird abzuschlagen. “Profil” ist nicht gewünscht. “Positionen” werden angegriffen. Auch mit unlauteren Mitteln. Auch mit unlauterer PR (“Essing”). Auch mit unlauterem Journalismus (“Don Alphonso in der FAZ”). Und ich nehme mich da als Verfasser dieses Kommentars nicht aus.

    DAS führt fast zwingend dazu, dass sich kaum jemand traut, seine Meinung zu sagen. Authentisch zu sein, klar zu sein, Positionen zu beziehen, Profil zu entwickeln …. das ist hart (in Deutschland?). Und es wird durch das Web 2.0 immer härter. Man fühlt sich sofort und sehr leicht viel Kritik ausgesetzt. Jede Erwähnung in einem Pöblerblog taucht im Monitoring auf. Und man muss sich damit auseinander setzen. Das muss man erst einmal (er-)tragen lernen. Die meisten sind eben nicht stark genug. Oder anders gesagt: Sie meinen, sie sind klug genug, sich dem nicht auszusetzen. Und meistens haben sie Recht. Denn den Mund aufzumachen und dann nicht das Glück zu haben, damit Erfolg zu haben, endet leicht im (persönlichen) Desaster.

    Wenn wir eine Forderung aufstellen müssen, dann ist es die, dass wir lernen müssen anzuerkennen! Dass wir lernen müssen, auch in der Kontroverse anzuerkennen, auch im Widerspruch. Wir müssen lernen, auch Fehler anzuerkennen. Und wir müssen lernen mit Kritik umzugehen. Die Stärke, die es hierfür braucht, bekommt man übrigens auch vor allem durch Anerkennung. Es ist leider immer noch so, dass die Kritiker fast immer (deutlich) lauter sind, als die Anerkenner.

    Es geht im Kern um Anerkennung. Das ist wäre mein Beitrag. Meine die These. In voller Anerkennung der anderen 21 Thesen :-)

    Wenn wir das schaffen, dann kommt der Rest (fast) von alleine. Oder anders herum: Ohne eine Kultur des gegenseitigen Respekts und der gegenseitigen Anerkennung werden auch alle obigen Regeln im Desaster enden. Im individuellen Gefühl, ein Looser und ausgegrenzt zu sein. Dann ziehe ich doch lieber den Kopf ein…


    Ergänzung: Um das noch einmal klar zu machen. Ich finde die 21 Aussagen klasse. Und unsere Welt wäre reicher, schöner, besser, spannender, wenn das Realität würden. Aber ich bin inzwischen auch Realist genug, dass ich weiß (besser: meine), dasss diese Forderungen ins Leere gehen – wenn sie nicht auf einer Basis von Anerkennung und Respekt fußen.


    @Bernhard Fischer-Appelt:

    “Du bist Deutschland” war eine Selbstbeweihräucherungskampagne der Verlage, die sie finanziert haben. Das behauptete Budget von 30 Mio. dieser angeblich größte Social Marketingkampagne in Deutschland musste jedem, der auch nur ansatzweise etwas von der Brutto-Netto-Schere im Mediabusiness die Tränen in die Augen treiben. Das war einfach eine freche Lüge. Das Ziel der Nachhaltigkeit wurde nicht erreicht, das Warm-up 2007 war eher lau. Wenn in diesem Zeitraum etwas Positives für das nationale Selbstbewusstsein getan wurde, dann die Fußball-WM.

    Auch diese Thesen sind wieder eine – jedoch bessere – PR-Nummer, diesmal in eigener Sache. Ihre Relevanz liegt darin begründet , dass sie von einer der erfolgreichsten Agenturen Deutschlands initiiert wurden – und da wanzt man sich ja mal gerne ran.

    Prägende Elemente beider Aktionen sind die Hybris – “Kein anderer als wir, die Kommunikatoren, können ihn (den Kurswechsel) herbeiführen – und die strategisch angelegte Immunisierung – nicht die Positionen in der Debatte, sondern die Debatte an sich, werden zum Erfolg erklärt. Das ist ebenso clever wie durchsichtig.


    Hallo Bernhard,

    ich finde es richtig klasse, dass du den Mut und die Konsequenz hast, Eure eigene “Du bist Deutschland Kampagne” so klar zu kritisieren.

    Danke. Nicht weil ich sie auch schlecht fände (hatte mir keine Meinung gemacht), sondern weil es ein Risiko ist. “So was macht man ja nicht”, seinen ehemaligen Auftraggeber zu kritisieren. Aber sie ist ja konstruktiv, und deswegen finde ich sie gut.

    Mirko


    @Tim: Ich finde diese Thesen wichtig, gerade weil das in Deutschlands Chefetagen noch nicht angekommen scheint. Wer sich beruflich mit Kommunikation befasst, dem mögen viele der angesprochenen Punkte trivial erscheinen. Genau so wird ihm aber auch die Realität bewusst sein. Weil er täglich Überzeugungsarbeit leisten muss, auf Themen zu setzen, die abseits von Produkt-PR liegen. Weil er, sobald er vorschlägt, Stellung zu beziehen, die Antwort erhält: “Was sollen denn unsere Kunden denken?”

    Wenn diese Thesen hier wirklich auf breiter Front gelebte Unternehmenskultur wären, dann sähen beispielsweise Bilanzpressekonferenzen ganz anders aus. Wenn dort gesagt wird “Das Unternehmen ist operativ unter seinen Möglichkeiten geblieben” ist häufig genug gemeint “Das letzte Jahr lief unterirdisch schlecht für uns”. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich diesen Satz zuletzt von einem Unternehmenskommunikator gehört habe. Und warum eigentlich nicht? Denn dieser Satz spricht nur das aus, was kundige Beobachter sowieso wissen, schärft aber gleichzietig das Profil des Unternehmens als transparent, authentisch und ehrlich.

    Mag sein, dass das mittlere Management oder auch die einfachen Angestellten genau dieses Wording längst benutzen. Das öffentliche Bild wird aber noch immer durch die offizielle Kommunikation der Chefetage bestimmt.


    Liebe Initiatoren,

    “Haltung” ist ein Begriff, der mir außerordentlich gut gefällt, denn hier geht es um die ethische Dimension in der Kommunikation. Wie wichtig das ist, zeigen all die Skandale, die die Unternehmenswelt fortlaufend erschüttern – von der S-Bahn-Krise in Berlin über Abhörskandale oder den Umgang mit Kundendaten. Gerade die Kommunikationsverantwortlichen sind hier gefragt, erfahren sie doch mit als erste von Skandalen und von dem damit verbundenen Vertrauens- und Glaubwürdigkeitsverlust. Gleichzeitig wird von Ihnen allzu oft erwartet, dass sie derartige Vorgänge aus- oder glattbügeln oder “ins rechte Licht” rücken. “Haltung” hieße hier, auch im eigenen Haus Rückgrat zu zeigen … aber findet das statt?
    Wenn die Deklaration 21 dazu beitragen sollte, hierüber zu debattieren, fände ich das einen gelungenen Anstoß. Ansonsten finde ich die Deklaration zwar witzig und teilweise sehr prägnant formuliert – ein wenig bewegt sie sich in meinen Augen aber etwas ziellos im Raum. Wer soll denn jetzt was konkret unternehmen?


    Deklaration (lat. declaratio „Kundmachung“, „Offenbarung“) De·kla·ra·ti’on, die; -,-en 1.WIRTSCHAFT Erklärung über Inhalt, Wert und Art einer Sendung besonders gegenüber Zoll- und Außenhandelsbehörden 2. politische Grundsatzerklärung

    Weder entdecke ich in den schönen, wohlklingenden und sicher auch wohlmeinenden Worthülsen, den lateinischen Stamm, noch die Defintion, die Langenscheidts Fremdwörterlexikon bietet.


    @Nina Galla / ninuschkarella: Diese Eigenschaften müssten dann aber erst einmal die haben, die PR machen.


    Liebe Kollegen,

    die Deklaration 21 verdeutlicht einmal mehr die Krise der PR: Anstatt nachvollziehbare und konkrete Handlungsempfehlungen anzubieten, versteckt man sich lieber hinter blumigen Worten und schönen Layouts. Wir brauchen Strategen, keine Schönredner!

    Ion Linardatos


    @Christian Dingler:

    Aha, ich soll ein Produkt kaufen, das austauschbar ist, weil ein Manager für mehr Kindergartenplätze ist? Spannende Idee..


    @Björn Eichstädt / Storymaker: Das wird nicht funktionieren. Aber wenn ein Steuerberater sich traut, regelmäßig mit Meinungen zur Steuerpolitik an die Öffentlichkeit zu gehen, kann das für Kunden den Unterschied ausmachen.


    Das geht mir hier als einer der Autoren der dek21 zu sehr auf Nabelschau der PR-Branche. Therefore now sth. completely different: Pressesprecher sind die Originalquelle. Es muss mehr Kommunikationsprokura verliehen werden. Präsenz ist wichtiger als Präzision. Ja seid Ihr denn übergeschnappt, ist es mir heute entgegengeschallt. Von einem Unternehmenskommunikationschef. Oha. Da brodelt aber etwas unter der Oberfläche.

    Klar. Das ist schon nicht so einfach – das Verhältnis zwischen Journalisten und Pressesprechern. Soll auch gar nicht einfach oder gar entspannt sein. Damit wir uns nicht missverstehen: Der Pressesprecher muss seinen Job ausfüllen. Er muss für das Unternehmen sprechen. Oder ab und zu auch einfach mal den Mund halten. Er sollte dabei aber vor allem vor Ideen sprühen und seinem Unternehmenslenker, Verbandspräsident oder wem auch immer an der Spitze ein cooler Counterpart, nicht Büttel sein. Und der Journalist muss seinen sogar grundgesetzlich vorgeschriebenen Auftrag erfüllen. Nämlich nach besten Wissen und Gewissen recherchieren und die Leser, Zuschauer oder Zuhörer umfassend informieren. Dabei auch (unbequem) zur öffentlichen Meinungsbildung beitragen. Ich ergänze: bis an die Grenzen des investigativ möglichen.

    So einfach ist das. Und es mag nach Binsenweisheit klingen (bitte keine Kommentare, dass es Binsenwahrheit heißen muss). Nur hat sich die Weisheit in den letzten Jahren im Medienbusiness – auf beiden Seiten – offenbar davon gemacht. Vielleicht wurde sie ob der Dreistigkeiten (auf beiden Seiten) verschreckt. Oder man hat sie so misshandelt, dass sie nur noch letzte Lebensfunken von sich geben kann. Wahrscheinlich aber ist sie an Alterschwäche gestorben. Und die Nachkommen, die kleinen Weis- und Wahrheiten sind noch nicht reif genug, in die Fußstapfen zu treten.

    Konkret: in einem netten Gespräch klagte kürzlich ein Kollege eines großen deutschen Mediums, dass es ihn schlicht nerve, bei vielen Termin von Pressesprechern fertige Botschaften vorgelegt zu bekommen. Er bezeichnete das als Armutszeugnis. Ich gehe weiter: es ist das klare Zeichen dafür, dass die Weisheit in der Kommunikationsbranche das Zeitliche gesegnet hat. Kommunikatteure, die Journalisten als einer von vielen ihrer „release-channels“ der zuvor geschliffenen, weichgespülten und monotonen Unternehmensbotschaften missbrauchen wollen, sollten sich schleunigst ihren Dienstwagen schnappen und frühzeitig auf ihre Altersimmobilie zurückziehen. Also noch einmal ganz einfach: Journalisten fragen – Pressesprecher antworten. Über das wie, reden wir hier noch…


    @Björn Eichstädt / Storymaker:

    Die Initiative für die Kindergartenplätze vor Ort ist sicher eher eine regionale Initiative für den lokal führenden Heizungsinstallateurbetrieb einer mittelgroßen Kreisstadt. Es geht uns in These 14 darum, dass etwa die Herren Zetsche und Großmann sich neben Ihrem Kerngeschäft deutlich für urbane, umweltfreundlichere Elektro-Mobilität stark machen, die Herren Obermann und Schindler sich bspw. zum Thema Datenschutz positionieren, bis hin zum Engagement für Gleichberechtigung & Co von Bill und Melinda mit ihrer Gates-Foundation.

    Austauschbar sind im übrigen nur wirklich ganz wenige Produkte des Alltags – Zucker oder Mehl vielleicht – Espresso schon nicht mehr. Die meisten aber differenzieren sich klar über einzelne Produktfeatures, Funktion, Qualität, Design und Image ihrer mehr oder weniger starken Marke, die idealerweise scharf und klar mit Profil positioniert ist.
    Denn schon heute definieren sich die meisten sehr klar über die Marken und Produkte, mit denen sie sich täglich umgeben, die sie tragen und vorzeigen – vom Auto, über den Anzug, das Kleid, die Uhr, den Schuh bis hin zum Füller. Über das Notebook (I’m a Mac – I’m a PC!), Facebook oder Myspace, Xing oder LinkedIn, Haarshampoo und Duschgel, sowie die Restaurants und Bars, in die sie gehen und den Stromanbieter (Ökostrom, Energiemix!), den sie – nicht nur aus Kostengründen – auswählen.


    Steig ab, wenn Du entdeckst, dass Du ein totes Pferd reitest!

    Ich hab mal irgendwo gehört, Dakota Indianer hätten gesagt, dass man von einem toten Pferd besser absteigen solle, anstatt es weiter zu reiten. Hier in Deutschland habe ich allerdings oft den Eindruck, man würde tote Pferde gerne ein wenig weiter reiten. Oder noch besser: Es werden die Kriterien geändert, die besagen, wann oder ob ein Pferd tot ist. Übersetzt heißt das, wir machen gerne weiter wie wir es gewohnt sind und neue Trends oder beispielsweise der Medienwandel wird gerne mal ignoriert oder gar als Hype bezeichnet.

    Viele deutsche Unternehmen merken gar nicht, dass sie in der Kommunikation oder im Marketing ein totes Pferd reiten. Die anderen im Rennen sind ja auch nicht schneller – denn sie tun dasselbe.

    Der Erfolg der Kommunikation wird weiterhin gemessen wie vor 10 Jahren: Man nimmt namhafte Printtitel – inzwischen auch deren Onlineauftritte – schaut dort nach wie oft und in welcher Tonalität Firma, Produkte oder Chef genannt wurde. Das Ergebnis wird auf Folien gemalt, womöglich noch mit dem Vorjahr oder dem Wettbewerb verglichen, um es dann Kollegen und ab und zu dem Chef zu präsentieren. „Medienpräsenz“ wird zu „Share of Voice“. Das Pferd hat einen neuen Namen, aber tot ist es trotzdem.

    Was nicht beachtet wird, ist die Tatsache, dass nahezu alle in der Medienauswertung einbezogenen Blätter gar nicht mehr die Bedeutung haben, die vielleicht noch von 10 Jahren hatten. Die Meinungsbildung findet schon seit geraumer Zeit online statt. Zunehmend eben in Social Networks – den neuen Rennpferden der Kommunikation. Eine ganz neue Rasse: schwer einzuschätzen, wild und unbändig – aber schnell!

    Ach ja, wie komme ich eigentlich zu diesen Gedanken? Ich habe mir eben die 21 Thesen für eine schärfere Kommunikation zu Gemüte geführt. Beim Durchlesen habe ich mir gedacht, dass jeder Kommunikationsverantwortliche – dessen einzige Verbindung zum Internet ein E-Mail Account ist – die Thesen auswendig lernen muss. Und zwar so, dass er sie beim Wachrütteln aus dem Tiefschlaf fehlerfrei aufsagen kann.
    Dann klappt das auch mit der Kommunikation in Zeiten des Medienwandels.

    Original: http://post.ly/Qnwx


    @Ion Linardatos:

    Handlungsempfehlungen und “blumige Formulierungen” sind ja in sich kein Widerspruch. Handlungsempfehlungen können ja “blumig” formuliert sein. Die Thesen zu
    Kommunikationsprokura, Allianzen mit anderen Unternehmenslenkern, Schärfen statt glätten & Co sind deutlich formulierte konkrete Handlungsempfehlungen für Kommunikatoren, die auch sofort anwendbar sind.
    Die Wirtschafts-Krise an sich bietet im Übrigen ungeahnte Chancen, sich gegen den Trend scharf mit klarer Kante zu positionieren, statt sich ängstlich ins Schneckenhaus zu verkriechen und zu warten, bis draussen wieder bessere Zeiten ins Land ziehen. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt – These 17: Wegducken ist keine Tugend mehr. Freude an Kommunikation ist besser als die Angst, etwas falsches zu sagen.


    @Mirko Lange:

    Danke an Mirko Lange für die Anerkennung unserer Thesen. Zugleich pflichte ich der ergänzenden These bei: Es geht auch um Anerkennung. Sie ist in der Tat einer der Schmierstoffe funktionierender Kommunikation. Und da hilft zur Einordnung neben unserem Bild einer Renaissance der PR durchaus auch ein Blick zurück zu denbewährten Kommunikationsmodellen. Mit ihnen sollten wir ja eigentlich gelernt haben, zu differenzieren – etwa zwischen Sach- und Beziehungsebene. Auch hier gilt es den Blick wieder neu zu schärfen: Wenn jemand eine klare Position bezieht, die ich inhaltlich ablehne, hat er dennoch meinen Respekt verdient – genauso aber meine mutige Gegenposition. So entstehen die fruchtbaren Kontroversen, die wir benötigen. Oder (auch auf die Gefahr hin, dass hier schon wieder Trivialität beklagt wird): nein zur Sache schließt das ja zum Menschen nicht aus. Das wird in den aufgeregten medialen Diskussionen heute allzu oft vergessen – und häufig genug bewusst zusammengerührt, auch von denen, die es besser wissen und handwerklich besser können sollten.


    Ich wiederhole mich ja nur ungern, aber….

    Stop evangelizing, start educating.


    Gut gemeint, inhaltlich ein enttäuschender Holspiegel des aktuellen gesellschaftlichen Diskussionsniveaus. Buzz statt Inhalt. Daran leidet unsere Branche am allermeisten! Ein intellektuellerer Ansatz ist wohl auch in absehbarer Zeit nicht zu erwarten.


    Hallo zusammen und

    Glückwunsch! Ich bin angetan von der Deklaration, die ganz offensichtlich Ihren Zweck erfüllt und eine kleine Debatte auslöst.

    Mir gefallen besonders die Gedanken zur “Position”, zu “Haltung” und zu “schärfen” – denn obwohl nicht neu, sind sie doch zutreffend. In einer Wirtschaft, in der allenthalben das Vertrauen und damit die Grundlage allen Wirtschaftens schwindet, sind diese Gedanken nämlich der Weg in die viel besungene, “bessere Zukunft”.

    Ich bezweifle allerdings, dass es der PR oder auch den Pressesprechern zukommt, diese Gedanken in Strategien und Taten umzusetzen. Da braucht es schon die Unternehmens- und Verbandslenker und deren “Haltung” im Bezug zum eigenen Handeln (und nicht zu Kindergartenplätzen).

    Wie das aussehen könnte? Zum Beispiel in dem Banker, Aufsichtsräte, Wirtschaftsprüfer, Beamte und Andere Fehler eingestehen, die sie vor und während der Krise begangen haben. Die klar benennen, was falsch gemacht wurde – und warum. Und die dann zu einer Auseinandersetzung darüber einladen, was in Zukunft besser gemacht werden kann. Dann hätten wir endlich einmal eine Debatte, die auf ein Voranbringen der Gesellschaft abzielt – und das ist, so meine eigene These, Kommunikation letztlich endlich wieder leisten muss.


    @Harald Ehren: Wenn die Visualisierung altbacken, treudeutsch und kaiserlich reaktionär sein soll, schließe ich mich Ihrem Selbstlob an. Wenn hier irgendein Retrotrend aufgegeriffen werden soll auch. Aber Geschmäcker sind nun einmal verschieden.
    :-)


    Einige Thesen zum Mittag:

    22. Pressesprecher motivieren Unternehmenschefs, komplexe Dienstleistungen transparent, nachvollziehbar und einfach verständlich zu machen.

    23. Regulationsbehörden, Gerichte, Verbraucher, Verbraucherschützer, NGO’s und Medien treiben Unternehmen vor sich her. Der neue Typ Pressesprecher treibt selbst. Denn jedes Unternehmen wird eine bessere Organisation, wenn es sich den kritschen Fragen der Stakeholder offen stellt und klare Kante beweist.

    24. Paul Watzlawik wird auch im Web 2.0 Recht haben. „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Also können wir gar nicht anders – wir müssen Social Media forcieren. Das ist unsere Verantwortung.


    Altdeutsche Schrift und Sarrazin-Argumentation … sieht mir stark nach einem verzweifelten Schrei nach Aufmerksamkeit der traurig dreinblickenden Initiatoren aus.


    Zweifellos nachvollziehbare Thesen. Es sprach mich an!

    Was Not täte ist eine klare Positionierung wofür man steht. Orientierung bieten, die auch Reibung bedeuten darf. Das geht wohl nur über Vielfalt, Pluralismus, Mut, Alternativen, Transparenz und vor allem Dialogbereitschaft.

    PR ist mehr als Kommunikation – wenn sie gut ist, ist sie Dialog. Punktum.

    In einer Welt, die die Franzosen mit dem Phänomen der Mondialisierung bezeichnet, also Globalität und Kommerzialisierung, verfallen alle in einen ideenlosen Mainstream, weil andere Entwürfe der Saturiertheit, der Langeweile oder Gleichgültigkeit zum Opfer fallen. Eine uniforme Welt ohne Leuchttürme ist auch in sich langweilig, bedeutungslos, nicht innovativ. Das nenne ich “postmoderne Dekadenz des Denkens”.

    PR soll Mut zeigen + eine Einladung zum Gespräch!


    Liebe FischerAppelts, danke für den grafisch ansprechend aufbereiteten Gedankenanstoß. Das Papier wird mit Sicherheit eure Eigenkommunikation weiter bringen und euch weiter in der Diskussion halten.

    Da ich von Lars Cords aktiv darum gebeten wurde, mir das mal anzuschauen und ggf meine Meinung dazu zu äußern, mir einige eurer Kampagnen gut gefallen und mich das Thema aus professioneller wie privater Sicht interessiert, habe ich mir die Zeit genommen.

    „Deklaration für einen Kurswechsel in der Meinungslandschaft“, ein „starker“ Titel und ein Anspruch, der aus meiner Sicht in der Folge nicht ganz eingelöst wird.

    Die geforderten Erfolgprinzipien Mut, Anerkennung, Persönlichkeit, Profil und Klarheit sind so alt wie die Menschheitsgeschichte. Ob mehr „Meinung“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Meinung) nötig ist, glaube ich nicht. Technisch hochgerüstet und mit Instrumenten der PR hochgejazzt blubbert schon jetzt eine Flut substanzloser Meinungen, skandalisierter Widerspruchsäußerungen und vielfältiger hilfloser Versuche der persönlichen Profilierung durch die Arena. Das bringt je nach Absender mehr oder weniger viel Aufmerksamkeit. Ob dies in den meisten Fällen zielführend und wertschöpfend ist, wage ich zu bezweifeln. Ich sehe hier viel zerstörerische Kraft der aktuellen Kakophonie. Nach Überspringen des Durchdenkens wird kommuniziert und dann nicht gehandelt.

    Die Demokratisierung des Zugriffs auf die wunderbaren Möglichkeiten (Publizieren, Kommunizieren) des Internet hat in der Breite nicht zu mehr inhaltlicher Substanz geführt. Die von den Kommunikationsschlachtrössern der Nation geführten Debatten, über den Resonanzboden der Medien und des Web verstärkt, werden zwar immer lauter aber auch immer substanzloser. Da helfen auch die „repräsentativen“ Testimonials nicht, die z.B. als DER Hartz IV-Empfänger oder DER Gesundheitsreformgeschädigte in der täglichen Talkshow oder dem „Magazinbeitrag“ „wahrheitsstiftend“ präsentiert werden. Mir fehlt in eurem Katalog die Aufforderung zu durchdachter Substanz, Zielführung und Wertschöpfung.

    In unserer Multikanalwelt, die es nicht erst seit dem Internet gibt, gehören aus meiner Sicht Vielstimmigkeit und Kommunikationsprokura seit jeher zum konzertierten Auftreten von Organisationen. Dass der Pressesprecher als DIE verlässliche Originalquelle hervorgehoben wird, finde ich dann wiederum interessant. Sind die Kommunikationsprokuristen nicht verlässlich? Dass PR nicht verwässern, glatt bügeln und auch in Kontroversen einsteigen soll, sehe ich stark abhängig von der jeweiligen Aufgabe und Zielsetzung. Auch wenn es an verschiedenen Stellen deutlich mehr Konfliktfreude sein könnte.

    Neu sind aus meiner Sicht der freie Zugriff auf eine globale Publikationsinfrastruktur für jeden Bürger, jedes Parteimitglied oder jeden Mitarbeiter sowie die technische Aufrüstung und Verlagerung privater Beziehungsnetze in die Öffentlichkeit des Netzes. Die Konsequenzen sind aktuell nicht absehbar und die Kompetenz im Umgang damit muss von Menschen und Organisationen erst gelernt werden. Ob Orwell Recht hat oder nicht, ist noch nicht abzusehen. Und dass am Ende (welchem Ende?) alles gut wird und „die“ Menschen die allumfassende Medienkompetenz besitzen werden, halte ich für eine von Hoffnung geprägte These. Bei allen Chancen, die das Internet bietet.

    Die Forderungen an die „Führungskräfte“ – mit ihrem xx Stundenalltag – hinsichtlich Kommunikation, Haltung, Konfliktfähigkeit und kooperativem Engagement in der Bürgergesellschaft sind nicht neu. Und es mag den einen oder anderen überraschen, sehr viele Unternehmer, Manager und Führungskräfte leben dies. Dass hier Verbesserungspotentiale bestehen, es immer wieder skandalöse Ausnahmefälle gibt und nicht jeder zum Super-Kommunikator geboren wurde, ist bekannt. Aber „ Führungskräfte-Bashing“ hat derzeit Dauerkonjunktur. Aus meiner Sicht ist in dieser gerne geführten Debatte die nüchterne Einschätzung der skandalbetriebenen Meinung zum Opfer gefallen. Wie in der Hartz IV Diskussion je nach Absenderadresse mal der „vom Schicksal hart getroffene wirklich Hilfsbedürftige“ oder der „clevere Absahner“ präsentiert wird. Das ist dann klar, pointiert, profiliert, meinungsbildend, …. löst aber nicht das eigentliche Problem.

    Kommunikation ist wichtig. Viele Diskussionen der letzten Zeit und auch dieses Papier drehen sich meiner Meinung nach zu sehr um Kommunikation um ihrer selbst willen. Es geht darum Fragestellungen zu lösen, politische Veränderungsprozesse anzustoßen und zu managen, Unternehmen auf der Erfolgspur zu halten, tolle Produkte zu erstellen oder berechtigte Bürgerinteressen zu formulieren und letztlich konsensfähige Ergebnisse umzusetzen. Kommunikation ist dabei Mittel – nicht Zweck. Mir geht es um durchdachten Dialog von ernst zu nehmenden Stakeholdern, der nachvollziehbare, wertschöpfende Ergebnisse und Leistungen hervorbringt und sich nicht auf die Profilierung der Diskussionsteilnehmer beschränkt.

    Ein paar Thesen weniger zur Kommunikation hätten es auch getan. Und die Frage des „Wozu Kommunikation & Profilierung?“ hätte die eine oder andere These verdient.
    Dennoch: Danke für den Diskussionsanstoß.

    Mit kollegialen Grüßen Stephan Fink


    @Stephan Fink: Den Unterschied zwischen Meinung und Substanz haben Sie sehr gut auf den Punkt gebracht, Herr Fink, und den Denkanstoß genutzt, um die Frage nach dem Wozu gleich mitzubeantworten. Das muss man wohl als Kollateralnutzen der Deklaration sehen ;-)


    Zum Kurswechsel gehört neues Denken. Ich wünsche mir insgesamt mehr Mut, mehr Spiel, weniger Ego, mehr Demut (ja!) und Natürlichkeit. Zur PR-Welt gehören übrigens nicht nur Unternehmenssprecher. Bedenkt das. Und PR heisst zukünftig vielmehr Public RelationS.


    Insgesamt ist der Tenor auch bitter und zwischen den Zeilen konservativ. Die Zukunft ist nur zu gestalten mit einer Haltung, die ich nicht anders beschreiben kann als mit dem Wort: LIEBE.


    @Stephan Fink: Lieber Stephan, herzlichen Dank für Deine intensive Auseinandersetzung mit unseren Thesen – ich kann Dir bei einer ganzen Reihe Deiner Gedanken nur voll zustimmen und freue mich über die Vertiefungen der Debatte.

    Bei einem Punkt möchte ich Dir aber doch klar widersprechen: dass Vielstimmigkeit und Kommunikationsprokura seit jeher zum konzertierten Auftreten von Organisationen gehörten kann ich aus eigener Beobachtung nicht bestätigen!

    Noch viel zu selten haben insbesondere große Organisationen und Unternehmen schon das ausreichende Vertrauen in ihre Mitarbeiter und auch das notwendige Instrumentarium, um Ihnen Kommunikationsprokura zu verleihen. Zudem fehlt Ihnen die Erfahrung und der Unternehmensführung häufig die persönliche Erdung im Umgang mit den neuen Möglichkeiten der Kommunikation z.B. über das Internet.

    UND: dazu gehört eben auch mehr als nur das technische Wissen in Bezug auf die neuen Medien. Es bedarf einer neuen Haltung! Ich benötige dafür die Bereitschaft zum Dialog und vor allem das Zulassen von Kritik als Normalzustand und nicht als Krisenszenario. Bewusst sich darauf einzulassen, dass ein angestoßener Kommunikationsprozess nicht mehr komplett vorhersehbar ist in seinem Verlauf.

    Es bedarf einer neuen Beziehungsfähigkeit der Unternehmen und auch der Marken im Umgang mit Ihren Kunden oder der breiten Bevölkerung. Da stehen wir erst ganz am Anfang und es geht in meinen Augen darum, die Branche hier gemeinsam aktiv zu treiben, um die Chancen, die durch diese Haltung und Beziehungsfähigkeit entstehen können zu entdecken und zu nutzen.


    @larscords Guten Morgen Lars,
    die von mir zitierte Vielstimmigkeit der Vergangenheit bezieht sich auf die aufgabenbezogene Kommunikation jedes Mitarbeiters mit dem Unternehmensumfeld, die vielfältigen Formen der internen Kommunikation und natürlich den informellen Auftritts jedes Mitarbeiters in seinem privaten Umfeld.

    Durch die neueren Entwicklungen im Web (Social Media) erfährt dies natürlich eine völlig andere Qualität hinischtlich Reichweite, Inhalten, Allianzenbildung und Beziehungen. Die von mir geforderte Kompetenz für den Umgang mit dieser Entwicklung ist in geringerem Maße auf die Technik bezogen sondern auf Haltung, Stil, Inhalte und Umgang mit Themen und Diskussionspartnern.

    Ich habe jüngst einen kleinen Blog-Beitrag zum Thema “Social Media Governance” geschrieben. http://blog.ffpr.de/2010/02/04/social-media-governance-mehr-als-guidelines/ Es geht dabei nicht nur um Kommunikation oder Regeln sondern auch um Empowerment. Am Ende steht die Frage, wie schaffen es Organsiationen die Chancen der neuen Netzwelt zum Erfolg des Unternehmens zu nutzen, nicht nur, aber natürlich auch in der Kommunikation. Hier sehe ich Unternehmer und Manager gefordert, übergeordnete Strategien zu entwickeln.

    Und aus unserem Beratungsalltag weiß ich, dass die aktive Auseinandersetzung mit diesen Fragestellungen zunimmt. Auch wenn wir, wie du richtigerweise konstatierst, noch ganz am Anfang der Entwicklung stehen.

    Beste Wünsche für ein schönes Wochenende Stephan Fink


    @Harald Ehren:
    Ich finde die optische Umsetzung gar nicht gut. Kaiserdeutsche Type mit Swing zum Tausendjährigen – wer hat sich das bloss ausgedacht? Auch zur Broschüre meine ich: Typosalat, der Grafiker durfte sich austoben. Schade wohl, dass es nur 21 Mal ging. Form überlagert/erschlägt Inhalt – gerade das wollen wir (und auch Sie) doch nicht – oder?
    Die Inhalte sind wirklich aller Diskussion wert. Mir sind alle sympathisch, die Themen zuspitzen. Nur das bringt uns vorwärts. Keine Scheu vor Laumicheln und Warmduschern! Nicht umsonst heißt es in unserer Unterzeile/unser Slogan: “Pfeffers PR-Journal – das Salz in der Branchensuppe”. Ich will mich später noch zu einigen Thesen und der Diskussion melden…Grüße an eine der besten PR-Agenturen Deutschlands!


    Was soll das sein, Kommunikationsprokura? Unternehmen und Organisationen stellen Verbindlichkeit her. Verbindlich sind u.a. Aussagen derer, die echte Prokura haben. Die haben aber per definitionem auch Kommunikationsprokura, plus derer, die sie verliehen bekommen haben, bspw. als Sprecherinnen oder als anderweitig Verantwortliche für Unternehmens- und Abteilungsführung. Und diese nehmen in vielen Unternehmen diese Verantwortung wahr – was unter anderem darin zum Ausdruck kommt, dass sie sehr vieles nicht nach Außen dringen lassen. Sie haben besseres, nämlich ihren Job zu tun. Teilweise auch, in dem sie sich der modernen Kommunikationslogistik bedienen.

    Und vielfach fehlt es nicht den Unternehmen an Vertrauen in ihre Mitarbeiter, sondern ebenso den Mitarbeitern am (Selbst-)Vertrauen, sich der mit Führung verbunden (Kommunikations-)Aufgaben anzunehmen.

    Der Debatte insgesamt mangelt es wiederum an einem Kommunikationsbegriff, der es – im Sinne Mertens (http://www.complus-muenster.de/newsletter/?newsletter_id=3242) – ermöglicht, entsprechend anspruchsvoll zu diskutieren. Das, worüber wir hier reden, ist zum größten Teil die medial vermittelte Kommunikation. Spannend genug, aber für Urteile zur Verfasstheit von Unternehmen, nicht wirklich hinreichend.


    Zur These “Pressesprecher sind die Originalquellen” gehört nach meiner Ansicht noch eine zweite Dimension, die hier noch nicht diskutiert wurde.

    Pressesprecher sind in der heuten Medienlandschaft nicht mehr diejenigen, die ausschließlich zur Presse sprechen, sondern immer mehr auch mit dem Konsumenten selbst. In der Vielfalt der Medien, Kanäle und Meinungen in Social Media geben die Medien nicht mehr genug Orientierung für die Öffentlichkeit.

    Wenn ich heute eine Meldung lese bewerte ich zunächst die Verlässlichkeit der Quelle, begebe mich aber stets auch auf die Suche nach der Originalquelle. Als Absicherung quasi. Die Suche nach diesem doppelten Boden ist leichter als je zuvor. Es gibt kaum noch geschützte Pressebereiche auf den Homepages der Unternehmen. Jede PM ist für jeden zu sehen. Jede halbwegs relevante Pressekonferenz wird live im Fernsehen oder Netz übertragen.

    Damit wird das Handwerk der klassischen Öffentlichkeitsarbeit bereits öffentlich. Jeder kann sehen, was die PR den Medien mundgerecht anbietet.

    Diese öffentliche Öffentlichkeitsarbeit lässt sich nicht mit glattgebügelten Botschaften verrichten.

    Früher haben die Journalisten den Themen Ecken und Kanten gegeben. Jetzt beginnt die öffentliche Verwertungskette früher. Deshalb müssen die Pressesprecher (besser Unternehmenssprecher) den Themen jetzt schon Ecken und Kanten geben. Dieser neuen Rolle müssen sie sich bewusst sein.


    Punkt 1: Was mit hier mal wieder völlig verloren gegangen zu sein scheint ist der Blick für die Realitäten der Medien- und Öffentlichkeitsarbeit. Da wurde bemängelt, dass Journalisten nur glattgeschliffene Aussagen erhalten. Etwas anderes können Sie im Alltag doch gar nicht mehr verarbeiten! Zusammenhänge werden kaum mehr erfasst, komplexe Sachverhalte bis zur Unkenntlichkeit verkürzt und das Ganze dann als Ein-Satz-Aussage in einen Artikel gepackt. Wenn man dieses Aussage als professioneller Kommunikator nicht vorformuliert kommt fast gar nichts mehr rüber. Das man mich nicht falsch versteht: Das ist kein Journalisten-Bashing – es gibt einfach keine Zeit mehr zu Recherche und Hintergrundarbeit.

    Punkt 2: Wenn man sich Leitmedien wie die sprichwörtliche Bild-BamS-Glotze-kombo mal ansieht wimmelt es nur so von Zuspitzung und persönlicher Anfeindung. Was soll das also heißen: Mehr zuspitzen. Vor lauter zugespitztem Geplärre war eine vernünftige Diskussion über Hartz IV nicht möglich, so siehts doch aus.

    Punkt 3: Man sollte auch als Unternehmen(slenker) Fehler offen bekennen und darüber diskutieren. Mal ehrlich. Bei der heutigen Nachrichtenflut (siehe auch Punkt 1) ist wegducken sehr effektiv. Und: Journalisten werden niemals ständig über ein und das gleich Unternehmen schreiben um Ausgeglichenheit halbwegs zu gewährleisten. Da Good-News aber bekanntlich längst nicht so schlagzeilenträchtig sind wie Bad-News (“Wir haben etwas falsch gemacht”) wird sich ein Unternehmen Ruck-Zuck mit einer Menge “Mea Culpas” in den Medien wiederfinden anstatt mit der Initiative für mehr Kindergartenplätze, um hier mal im Bild zu bleiben. Hier zu fordern Unternehmen sollten sich an kritischen Dialog gewöhnen heißt in meinen Augen nur den Beruf des Kommuikators für Unternehmen fehl zu interpretieren und jegliche Form von Publicity für gut zu erklären (das ist vielleicht schön für PR-Berater, nicht aber für Unternehmen). PR sollte wie ein Anwalt für ein faires Verfahren sorgen und ermöglichen, dass zu Thesen und Meinungen auch Gegenthesen und Stellungnahmen den Weg in die Medien finden. Nicht mehr und nicht weniger.


    Jetzt die Thesen noch barrierefrei und maschinenlesbar als Text und nicht als Grafik dargestellt, und — schwupps — werdet ihr auch von Google & co. gefunden.


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